Wer wir sind

In den Jahren 2003 und 2004 trainierten auf zwei Plätzen in unserem Tennisclub junge Menschen/Erwachsene mit einer geistigen Behinderung regelmäßig im Sommer in zwei Übungsgruppen.

In diesen zwei Jahren entwickelte sich sowohl ein Wohlgefühl der geistig Behinderten in unserem Verein, als auch eine Akzeptanz der Clubmitglieder zu dieser Gruppe. Dies wurde zusätzlich verstärkt durch sportliche Erfolge ( z.B. Teilnahme an deutschen Meisterschaften und Special Olympics).

Die oben geschilderte Situation führte dann Ende 2004 zu ersten Gesprächen mit den Eltern der geistig Behinderten und dem Vorstand des Tennisclubs Grün-Weiss Neuss mit Überlegungen, diese Gruppe als Behindertensport in unseren Club aufzunehmen.

Die Zielsetzung für diese Idee war, jungen Menschen mit einer geistigen Behinderung als Mitglieder in einen Tennisverein zu integrieren und zwar sowohl sportlich als auch gesellschaftlich.

Zwischen Vorstand des Tennisclubs und den Eltern wurden Ende 2004 erste Gespräche aufgenommen, mit dem Ziel, die Möglichkeiten (Regelungen und Rahmen) so abzustimmen, dass eine Integration der jungen Menschen mit geistiger Behinderung durch die Jahreshauptversammlung des Tennisclubs genehmigt werden kann.

Das gemeinsame Ziel von Eltern und Vorstand war es, durch die Integration auf der Basis einer Mitgliedschaft in einem Tennisverein den jungen Menschen mit einer geistigen Behinderung eine Heimat geben zu können, in welcher sie sowohl ihre sportlichen Aktivitäten ausführen als auch durch Besuch des Clubhauses und auf vereinsinternen Veranstaltungen Kontakte zu den anderen Clubmitgliedern aufnehmen konnten.

Eine so gewollte Integration der jungen Menschen mit geistiger Behinderung sollte darüber hinaus dazuführen, dass

  • ein Abbau von Vorurteilen ermöglicht wird
  • ein Wirgefühl der zu integrierenden Gruppe entsteht
  • eine Akzeptanz der Clubmitglieder für die Gruppe erreicht wird
  • eine Stärkung des Selbstwertgefühls und Stolz der integrierten Gruppe als Mitglieder eines Tennisvereins erreicht wird
  • eine tragbare finanzielle Situation für die integrierte Gruppe durch ein günstiges Beitragsangebot durch den Verein sichergestellt wird

Nach Beschluss des Vorstandes des Tennisclubs im Februar 2005, junge Menschen mit geistiger Behinderung zu einem günstigen Beitrag mit entsprechend erforderlicher Satzungsänderung als Mitglieder in den Tennisclub aufzunehmen, hat die Jahreshauptversammlung am 3.3.2005 mit 100 prozentiger Zustimmung den Vorstandsbeschluss genehmigt.
Mit dieser zustimmenden Beschlussfassung der Jahreshauptversammlung wurden 22 junge Menschen mit geistiger Behinderung als Mitglieder in den Tennisclub aufgenommen und trainieren ab diesem Zeitpunkt im Sommer 2005 mit ihrem Trainer als Mitglieder des Tennisclubs Grün-Weiss Neuss auf der Anlage unseres Vereins und erstmalig im Winter 2005/2006 in der vereinseigenen Tennishalle und nehmen an internen Turnieren und Vereinsveranstaltungen teil.

Bei nationalen und internationalen Sportbegegnungen nimmt die integrierte Gruppe offiziell als Mitglied des Tennisclubs Grün-Weiss Neuss teil und wirbt durch ihre eigene Bekleidung (T-Shirt und Trainingsanzug) mit der Aufschrift „Handicaps im Tennisclub Grün-Weiss Neuss) für die Mitgliedschaft in einem Tennisverein.

Dies führt, da einmalig in Deutschland, zu einer stärkeren Wahrnehmung anderer Behinderter sowohl in Deutschland als auch im Ausland und verbreitet ein starkes Wirgefühl und Stolz unserer Handicaps, als einzige in Deutschland offiziell in einem Tennisclub Mitglied zu sein.

Sowohl bei nationalen und internationalen Auftreten wird die Mitgliedschaft unserer Gruppe in einem Tennisverein bereits vorbildhaft und beispielgebend angesehen. Diese externe Aufmerksamkeit spiegelt sich sicherlich auch im Image der Stadt Neuss aufgrund der Namensgebung wider.

Die Gruppe findet durch ihre Teilnahme an Sportveranstaltungen und durch ihre Erfolge auch über die Grenzen der Stadt Neuss hinaus in den Medien Aufmerksamkeit und Beachtung und kann daher auch als ein Sympathie- und Werbeträger des Rhein-Kreis Neuss gelten.

Durch Teilnahme an Clubveranstaltungen entsteht der gewünschte Effekt des Abbaus von Vorurteilen der anderen Clubmitglieder, der Abbau von Ängsten der Behinderten gegenüber den anderen Clubmitgliedern und erhöht so insgesamt betrachtet die Akzeptanz der umgesetzten Projektidee.

In der vierteljährlich erscheinenden Clubinformationszeitung wird auch über die Behindertensportgruppe berichtet, so dass sowohl die anderen Clubmitglieder als auch die jungen Menschen mit geistiger Behinderung sich gegenseitig noch stärker wahrnehmen können.

Die Integration von jungen Menschen mit geistiger Behinderung kann bereits nach einem Jahr als erfolgreiche Maßnahme angesehen werden. Die vom Vorstand, der Jahreshauptversammlung und den Eltern der Behinderten gemeinsam verabschiedete Maßnahme ist einmalig in Deutschland und gilt deshalb – auch unter dem Aspekt der Sozialkompetenz – als innovatives Sportkonzept eines Tennisvereins. Dieses Konzept kann als beispielhaftes Vorbild auch auf andere Sportvereine übertragen werden.

Das sportliche Miteinander, das externe Auftreten als Mitglieder eines Tennisclubs und der soziale Aspekt im gesellschaftlichen Umfeld sind als gelungen hervorzuheben.